Geb. 30. April 1870 in Komáro in der Slowakischen Republik
Gest. 24. Oktober 1948 in Bad Ischl
Franz Lehárs Vorfahren waren bis Anfang des 18. Jahrhunderts als Kleinbauern im Ostsudetenland nachweisbar. Der Name Lehar kann auf den tschechischen Ursprung der Familie hinweisen. Lehár senior heiratete in Komorn die Ungarin Christine Neubrandt (1849–1906).
Lehár wuchs mit der Sprache seiner Mutter auf, dem Ungarischen. Seine Jugend verbrachte er als Sohn eines Militärkapellmeisters mit häufigen Standortwechseln in Städten, die damals zu Ungarn gehörten: Pressburg, Ödenburg, Karlsburg und Klausenburg. Darum erhielt das „a“ des Namens Lehár das ungarische Dehnungszeichen.
Die Begabung von Franz Lehár zeigte sich schon in frühen Jahren am Klavierspiel. Wie Mozart konnte auch er als Kind einThema bei verdeckten Tasten variieren. Mit elf Jahren komponierte er sein erstes Lied.
1880 wurde sein Vater mit seinem Regiment nach Budapest versetzt und Lehár besuchte dort das Piaristengymnasium. Um ihm eine bessere Kenntnis der deutschen Sprache zu vermitteln, kam er aber bald auf das Gymnasium in Möhrisch Sternberg.
Ab 1882 wurde Lehár wegen seiner großen Musikalität halber Schüler des Prager Koservatoriums und studierte, entsprechend dem Wunsch seines Vaters, Violine bei Anton Bennewitz, Musiktheorie bei Josef Foerster und Komposition bei Antonin Dvořák, nachdem er zuvor privat bei Zdenek Fibich unterrichtet worden war. Als Dvořák 1887 zwei Kompositionen von Lehár gesehen hatte, meinte er: „Hängen Sie die Geige an den Nagel und komponieren Sie lieber.“
Seine musikalische Laufbahn begann er als Orchestermusiker in Barmen-Elberfeld (heute Wuppertal). Danach wurde er jüngster Militär-Kapellmeister der "k.u.k. Armee". In Wien spielte er in der Kapelle seines Vaters und über verschiedene Stationen in der Monarchie arbeitete er sich vor bis zum Nachfolger seines Vaters. Diese Karriere führte ihn nach Pola, Triest, Budapest und von 1899 bis 1902 nach Wien. Wien wurde zu seiner Wahlheimat und Dank einiger großer Erfolge konnte er dann ausschließlich von seinem kompositorischen Schaffen leben und verschrieb sich ganz der Operette.
Schon mit seinen beiden Erstlingswerken "Wiener Frauen" und "Der Rastelbinder" galt er als der kommende Mann der Operette. Mit dem Welterfolg der "Lustigen Witwe"(1905) setzte er sich endgültig an die Spitze der damaligen Operettenkomponisten. Bald schlossen sich in den nächsten Jahren weitere Erfolgsstücke an: "Der Graf von Luxemburg", "Zigeunerliebe" und "Eva".
Als in den 1920er-Jahren dann die bisherige „alte“ Operette in der Publikumsgunst zunehmend der Revue weichen musste, verabschiedete sich auch Lehár von dieser heiteren Kunstform. Seit "Paganini"verzichtete er auf das bisher übliche Happy-End und setzte auf opernhaftes Sentiment und Pathos. Die Tenorpartien dieser letzten Operetten, wie "Das Land des Lächelns" oder "Der Zarewitsch"schrieb er großteils für Richard Tauber. Seine letzte Operette "Giuditt", die er als „musikalische Komödie“ bezeichnete, wurde dann tatsächlich auch 1934 in der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Das "Hohe Haus" versprach sich mit dieser von Lehár lange ersehnten Aufführung auch eine pekunäre Gesundung.
Privat war er sehr eng mit Giacomo Puccinibefreundet und ließ sich auch durch dessen Opern inspirieren. Neben Operetten schrieb er noch zwei symphonische Dichtungen, zwei Violinkonzerte, Filmmusik, Lieder, Tänze und Märsche.
Im Lauf der Jahre zu beträchtlichem Wohlstand gekommen, erwarb Lehár im Jahr 1931 das Schikaneder-Schlössl in Wien-Nussdorf. Seine Villa in Bad Ischl, in der er im Sommer gern komponierte, vermachte er der Stadt mit der Auflage, daraus ein Lehár-Museum zu bilden. Aus dem Komponistenanteil für Aufführungen seiner Werke in Österreich sollte ein Lehár-Fonds gebildet und die Einkünfte desselben zur Unterstützung unverschuldet in Not geratener alter Menschen verwendet werden. Jedoch sollten keine jungen Talente mit Hilfe dieses Fonds gefördert werden, da, so schrieb Lehár, wahres Talent sich von selbst durchringe und er nicht wünsche, dass dadurch Kunstdilettantismus großgezogen werde.
Lehár gilt als Mitbegründer der sogenannten Silbernen Operettenära.
Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl. |